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WAS EIN KRANKENSTAND WIRKLICH KOSTET

Und warum die Rechnung, die Sie im Kopf haben, zu niedrig ist

 

Stand: 29. September 2026

 

Die meisten Geschäftsführungen haben eine Zahl im Kopf: den Bruttolohn für die Ausfalltage. Diese Zahl stimmt — sie ist nur der kleinere Teil. Wer über Prävention entscheidet, sollte die ganze Rechnung kennen.

 

DIE VOLKSWIRTSCHAFTLICHE GRÖSSENORDNUNG

 

Der Fehlzeitenreport 2026, den das WIFO jährlich für Sozialversicherung, Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer erstellt, weist für 2025 durchschnittlich 14,7 Krankenstandstage je beschäftigter Person aus. Das ist ein Rückgang von 2,7 Prozent gegenüber 2024 — kein Grund zur Entwarnung, wie die Detailzahlen zeigen.

 

Die direkten Kosten lagen 2024 bei rund sechs Milliarden Euro: 4,8 Milliarden Entgeltfortzahlung der Betriebe, 1,2 Milliarden Krankengeld der Sozialversicherung. Der Produktionsausfall wird zusätzlich auf 5,3 bis 8,8 Milliarden Euro geschätzt. Anders gesagt: Auf jeden Euro direkter Kosten kommt etwa ein weiterer Euro, den niemand in Rechnung stellt.

 

DREI KOSTENBLÖCKE, DIE IN KEINER LOHNVERRECHNUNG STEHEN

 

Erstens die Umverteilung. Fällt jemand aus, übernehmen Kolleginnen und Kollegen. Das funktioniert zwei Wochen gut. Danach steigt die Belastung derer, die ohnehin schon tragen — und aus einem Ausfall werden zwei.

 

Zweitens der Wiederanlauf. Nach einem langen Krankenstand ist niemand am ersten Tag wieder bei hundert Prozent. Diese Phase dauert je nach Tätigkeit Wochen und taucht in keiner Statistik auf.

 

Drittens der Präsentismus: Menschen, die da sind, aber nicht arbeitsfähig. Sie verursachen keine Fehltage, sondern Fehler, Nacharbeit und Reibung. In der Forschung gilt dieser Block als mindestens so teuer wie der Absentismus — er ist nur nicht messbar, weil niemand ihn erfasst.

 

WELCHE DIAGNOSEN TEUER SIND — UND WELCHE NUR HÄUFIG

 

Hier wird die Statistik für Entscheidungsträger interessant. Knapp 45 Prozent aller Krankenstandsfälle 2025 dauerten weniger als vier Tage. Sie machen aber nur rund 10 Prozent der Fehltage aus. Der grippale Infekt ist häufig und fällt kaum ins Gewicht.

 

Umgekehrt bei den psychischen Erkrankungen: Sie stellen 2,9 Prozent der Fälle, verursachen aber 11,8 Prozent der Fehltage — und die Tendenz zeigt nach oben. Ein einzelner Fall bindet also ein Vielfaches dessen, was ein durchschnittlicher Krankenstand kostet. Ähnlich, wenn auch weniger extrem, verhält es sich bei Muskel-Skelett-Erkrankungen: 11,3 Prozent der Fälle, 19,1 Prozent der Tage. Wer davon betroffen war, kam 2025 auf 33,4 Krankenstandstage insgesamt, gegenüber 19,3 Tagen bei allen anderen Diagnosen.

 

Daraus folgt eine unbequeme Schlussfolgerung: Die Krankenstandsquote insgesamt sagt wenig aus. Entscheidend ist, aus welchen Fällen sie sich zusammensetzt. Ein Betrieb mit vielen Kurzkrankenständen hat ein anderes Problem als einer mit drei Langzeitfällen — und braucht eine andere Antwort.

 

WAS SICH DARAUS FÜR IHRE ENTSCHEIDUNG ERGIBT

 

Rechnen Sie nicht mit Durchschnitten. Nehmen Sie Ihre eigenen Zahlen der letzten drei Jahre, trennen Sie Kurz- von Langzeitfällen und sehen Sie sich an, wo die Tage tatsächlich entstehen. In fast allen Betrieben, die ich begleite, konzentriert sich der Großteil der Fehltage auf eine kleine Zahl von Fällen — und diese Fälle haben in der Regel eine Vorgeschichte, die im Betrieb bekannt war.

 

Genau dort liegt der Hebel. Nicht in Obstkörben und nicht in Gesundheitstagen, sondern in der Frage, ob Belastung früh genug angesprochen wird und ob jemand danach etwas ändert. Das ist keine Frage des Budgets, sondern der Führungsroutine.

 

Ein zweiter Punkt, den ich regelmäßig höre: „Wir haben ohnehin wenig Krankenstände." Das kann stimmen — oder es kann heißen, dass Ihre Leistungsträger krank zur Arbeit kommen. Beides sieht in der Statistik gleich aus. Nur eines davon ist ein gutes Zeichen.

 

Hinweis zum Stand: Die Zahlen stammen aus dem Fehlzeitenreport 2026 (Daten für 2025, Kostenangaben für 2024). Der Report erscheint jährlich; prüfen Sie bei Bedarf die aktuelle Ausgabe.

 

Wo bei Ihnen die Tage tatsächlich entstehen und was sich mit vertretbarem Aufwand ändern lässt, sehen wir uns im Erstgespräch an. Es kostet Sie wenig Zeit und verpflichtet zu nichts. Wo die Tage herkommen, ist meist eine Frage der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz.

 

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