MEDIEN & PRESSE
Beiträge, in denen ich als Berater, Coach und Supervisor zu Wort komme.
DIE PRESSE, SEPTEMBER 2026
Der unsichtbare Brand im Büro — von Esther Reiserer
„Ich bin nicht mehr aktiv, sondern reaktiv."
Überlastung klopft zuerst leise an: Die Konzentration lässt nach, das Aufstehen oder Einschlafen fällt schwerer, soziale Kontakte werden weniger. Werden diese Signale übergangen, reagiert irgendwann der Körper — mit Panikattacken, hohem Blutdruck, kaltem Schweiß. Dann läuten alle Alarmglocken.
Das betrifft nicht nur den Einzelnen. Ein einziger Krankenstandstag kostet den Arbeitgeber im Schnitt 800 bis 1.000 Euro. Laut einer aktuellen Mavie-Studie nennen 37 Prozent den Arbeitsplatz als größten Stressfaktor, 83 Prozent arbeiten trotz mentaler Erschöpfung weiter. Für mich ist das ein Auftrag an die Führungsebene, genauer hinzuschauen: Wie geht es meinen Mitarbeitern wirklich?
Eine bloß ausgerufene Open-Door-Policy reicht dafür nicht. Wer Führungsverantwortung trägt, hat die Verpflichtung, auf die Menschen zuzugehen. Gute Führung ruht für mich auf vier Säulen: Aufgabe, Arbeitsorganisation, Umgebung und Klima. Klarheit darüber, wer wofür zuständig ist. Unterstützung, wo Aufgaben allein nicht zu bewältigen sind. Rückzugsräume. Und ein Klima der Achtsamkeit — gegenüber anderen wie gegenüber den eigenen Grenzen.
DIE PRESSE, 15. SEPTEMBER 2026
Was braucht es für den Aufstieg zur Führungskraft?
„Ich bin die Adresse, nicht der Grund."
Führung braucht keine Härte, sondern Entscheidungsfähigkeit — das sieht von außen ähnlich aus, ist aber ein wesentlicher Unterschied. Die Rolle braucht eine Grundlage, und die heißt: Mein Selbstwert hängt nicht davon ab, ob man mich gerade mag.
Wer diese Basis nicht hat, dem passiert eines von zwei Dingen: Er wird gefällig und trifft keine unbequemen Entscheidungen mehr — oder er macht dicht und wird hart. Beides sieht von außen nach Führung aus. Beides ist keine.
Widerstand richtet sich meist gegen das, was ich in diesem Moment repräsentiere: gegen die Veränderung, den Verlust von Sicherheit, manchmal gegen die Ohnmacht. Deshalb lohnt eine Frage, bevor man reagiert: Gilt das mir oder gilt das der Rolle? Das heißt nicht, nichts zu fühlen. Wenn mich etwas trifft, ist das eine Information — über die Situation, über die Beziehung, manchmal über einen wunden Punkt. Diesen Hinweis will ich haben. Nur soll er nicht meine nächste Entscheidung bestimmen.
Besonders beim Aufstieg aus dem eigenen Team ist zwischen Beziehung und Funktion zu unterscheiden. Was sich persönlich wie Ausschluss anfühlt, ist organisational oft nur Ausdruck einer veränderten Funktion.