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NACHFOLGE IM FAMILIENUNTERNEHMEN

Warum sie an Menschen scheitert und nicht an Zahlen.

Stand: 29. September 2026

 

Zwischen 2020 und 2029 suchen in Österreich rund 51.000 Betriebe eine Nachfolge. Das sind etwa 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe und betrifft rund 692.000 Arbeitsplätze. Knapp die Hälfte dieser Übergaben findet innerhalb der Familie statt — mit rückläufiger Tendenz. Im Jahr 2024 wurden 7.792 Übergaben tatsächlich abgeschlossen, um 4,9 Prozent mehr als im Jahr davor.

 

Die betriebswirtschaftliche Seite einer Übergabe ist gut beschrieben: Bewertung, Steuer, Haftung, Finanzierung, Vertragsgestaltung. Dafür gibt es Steuerberatung, Rechtsberatung und die Nachfolgeberatung der Wirtschaftskammer. Diese Seite scheitert selten. Was scheitert, ist die andere.

 

DIE DREI MUSTER, DIE ICH REGELMÄSSIG SEHE

 

Die Übergabe ohne Termin. Der Betrieb wird seit Jahren „bald" übergeben. Die Nachfolge ist benannt, trägt Verantwortung im Alltag, hat aber keine Entscheidungsbefugnis. Nach außen ist die Sache geregelt, nach innen weiß jede Führungskraft, dass Entscheidungen weiterhin am alten Schreibtisch fallen. Das Personal richtet sich danach — und die Nachfolge verliert über Jahre genau die Autorität, die sie später brauchen wird.

 

Die Übergabe ohne Rückzug. Der Übergabetermin ist da, die Verträge sind unterschrieben, und der Senior kommt weiterhin täglich. Er meint es gut: Erfahrung soll nicht verlorengehen. Tatsächlich entsteht eine zweite Leitungsebene, die in keinem Organigramm steht, und die Belegschaft nutzt sie — nicht aus Illoyalität, sondern weil der kürzere Weg immer gewinnt.

 

Die Übergabe an die falsche Person aus dem richtigen Grund. Übernommen wird, wer verfügbar ist oder wem es zusteht, nicht wer es will und kann. Das ist in Familienunternehmen die schwerste Frage, weil ein Nein zur Nachfolge in der Familie oft als Nein zur Familie gelesen wird.

 

WAS BEI DIESEN MUSTERN HILFT

 

Erstens ein Datum. Ein Übergabetermin, der im Betrieb bekannt ist, verändert das Verhalten aller Beteiligten sofort. Solange kein Datum existiert, ist jede Vorbereitung unverbindlich.

 

Zweitens eine Rollenbeschreibung für die Zeit danach — schriftlich, mit Befugnissen und Grenzen. Wenn der Senior bleiben soll, dann in einer definierten Rolle mit definierten Themen, an definierten Tagen. Alles andere ist Absichtserklärung.

 

Drittens ein Gespräch mit den Beteiligten getrennt, bevor sie gemeinsam verhandeln. Meine Erfahrung: Was in der gemeinsamen Runde nicht gesagt werden kann, entscheidet die Übergabe. Dazu gehören Fragen wie: Will die Nachfolge das überhaupt? Was braucht der Übergeber, um loszulassen — finanziell, aber vor allem an Aufgabe und Ansehen? Und was ist mit den Geschwistern, die nicht übernehmen?

 

Viertens die Frage nach der zweiten Reihe. Übergaben scheitern oft nicht an der Spitze, sondern eine Ebene darunter: Langjährige Führungskräfte, die mit dem Senior gewachsen sind, akzeptieren die neue Leitung nicht — oder gehen. Wer diese Personen erst am Tag der Übergabe einbezieht, hat sie verloren.

 

DIE GESUNDHEITLICHE SEITE, ÜBER DIE NICHT GESPROCHEN WIRD

 

Übergaben fallen in Lebensphasen, in denen auf beiden Seiten viel gleichzeitig passiert. Beim Übergeber die Frage, was nach vierzig Jahren Arbeit bleibt. Bei der Nachfolge der Rollenwechsel unter Beobachtung, oft mit dem Gefühl, es niemals gut genug machen zu können. Beides sind klassische Auslöser für Erschöpfung, und beides wird in Nachfolgeprozessen fast nie angesprochen, weil es als privat gilt.

 

Es ist aber nicht privat, wenn die Person, die den Betrieb führen soll, im zweiten Jahr ausfällt. Ich halte es deshalb für Teil der Vorbereitung, das zum Thema zu machen — nüchtern, nicht therapeutisch.

 

WAS DAS FÜR IHREN BETRIEB BEDEUTET

 

Beginnen Sie früher, als es sich nötig anfühlt. Fachlich gilt ein Vorlauf von drei bis fünf Jahren als sinnvoll; die menschliche Seite braucht davon den größeren Teil. Und trennen Sie die Prozesse: Die Zahlen gehören zu Steuerberatung und Rechtsberatung. Die Frage, wer künftig entscheidet und wie der Übergang im Betrieb erlebt wird, gehört an einen Tisch mit jemandem, der nicht Teil der Familie ist.

 

Hinweis zum Stand: Zahlen der Wirtschaftskammer Österreich zu Betriebsübergaben, Stand September 2025, Übergabezahlen für 2024. Für Bewertung, Steuer und Haftung ziehen Sie bitte Steuer- und Rechtsberatung bei.

 

Wenn bei Ihnen eine Übergabe ansteht oder seit Jahren ansteht, sehen wir uns im Erstgespräch an, wo sie hängt. Es kostet Sie wenig Zeit und verpflichtet zu nichts.

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